Unter der Kraftaufbau, egal ob operiert oder nicht,

Unter dem
folgenden Abschnitt werden alle erhobenen Daten der Publikationen tabellarisch
und narrativ zusammengefasst. Der unter Gruppenvergleich ergänzte p-Wert
symbolisiert dabei einen statistisch signifikanten Effektnachweis im Interventionsvergleich.

4.1       Studien über Elektromuskuläre Stimulation
(EMS)

Aus
der Studie von Feil et al., 2011, geht hervor, dass sich Elektromuskuläre
Stimulation (EMS) kombiniert mit einem Krafttrainingsprogramm in der
geschlossenen kinetischen Kette, gemessen in einem Kniewinkel von 90° als auch
180°, sowohl signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe, auf die Steigerung
der Kraft als auch auf die Funktionalität des Kniegelenks, gemessen anhand dem
Isomed 200-Messgerät (Muskelkraft), Einbein-Sprungtest und 25-Meter-Gehtest
(Funktionalität), auswirkt. In Ihrer Studie wurden 2 Interventionsgruppen mit
33 und 29 Personen einer Kontrollgruppe mit 34 Personen gegenüber gestellt.
Alle 3 Gruppen, bestehend aus 22 Frauen und 74 Männern mit einem
Durchschnittsalter von 32,5 Jahren, absolvierten ein standardisiertes
Übungsprogramm aus Fahrradergometer, Squats, isoliertem Quadrizeps-Training in
der geschlossenen kinetischen Kette sowie Aquajogging. Die Anwendungen
erstreckten sich über 12 Wochen und dauerten jeweils 20 Minuten; 3-mal am Tag
und 5-mal pro Woche. Die Interventionsgruppe erhielt eine Stromapplikation von
50 Hz und 70 mA. Außerdem ging aus der Studie hervor, dass diese positiven
Auswirkungen mit Zunahme der Behandlungsdauer, hier gemessen bis 6 Monate
post-OP, einen stetig steigenden Verlauf erfuhren.

Die
Hypothese, dass das ergänzende Training mit EMS in der CKC bessere Ergebnisse
hinsichtlich des Muskelaufbaus des M. quadriceps femoris erzielt, konnte auch
in dem RCT von Taradaj et al., 2013, durch Kraftmessungen von Profi-Fußballern
mittels Tensometer bestätigt werden. Deren Anwendungen erfuhren sowohl eine
Interventionsgruppe mit 40 Männern als auch eine Kontrollgruppe mit ebenfalls
40 Männern, die ein ähnliches Übungsprogramm und dieselbe Stromapplikation
erfuhren wie in der Studie von Feil et al., 2011, nur eben über 4 Wochen; 3-mal
am Tag und 3-mal pro Woche. Zudem weisen Taradaj et al., 2013, darauf hin, dass
durch die Ergänzung von EMS in der CKC der Kraftaufbau, egal ob operiert oder
nicht, schneller vonstattengeht und man somit schon früher in die Aktivität
(Return to activity) / in den Sport (Return to sport) zurückkehren könne.

Die
Studie von Lepley et al., 2014, kam hingegen zum Ergebnis, dass die parallel
stattfindende Muskelstimulation in CKC mit zusätzlich angebrachten Elektroden
in der Interventionsgruppe dem standardisierten Training in CKC ohne EMS nicht
überlegen ist. Des Weiteren sind sie der Meinung, dass die Effekte auch nicht
höher in der Interventionsgruppe mit Patienten mit VKB-Ruptur als bei gesunden
Personen ausfallen, gemessen anhand einer maximal möglichen isometrischen
Kontraktion. EMS in die Rehabilitation nach Ruptur des vorderen Kreuzbandes zu
integrieren, bringt daher aus Sicht von Lepley et al., 2014, keinen Vorteil.
Vier Interventionsgruppen mit 8, 10, 8 und 10 Personen (Durchschnittsalter 21,9
Jahre) erfuhren in deren Studie ein gerätegestütztes Krafttraining aus
Beinstreck- und Beinbeugeübungen mit/ohne EMS 2-mal pro Woche über insgesamt 12
Wochen (6 Wochen pre- und 6 Wochen post-OP) und eine Kontrollgruppe mit 10
gesunden Personen erfuhr keine Intervention.

4.2       Studien über Propriozeptives (Vibrations-)
Training

Pistone et
al., 2016, kamen zum Ergebnis, dass ein spezielles Krafttrainingsprogramm auf
einer Vibrationsplatte einem traditionellem Krafttraining in OKC, ohne
Vibration als Ergänzungsintervention, überlegen ist und signifikante
Verbesserungen der Muskelkraft und des Lysholm-Scores jedoch nicht der Balance hervorruft.
Zwischen September 2014 und Januar 2016 wurden jeweils 17 Personen einer
Interventions- als auch einer Kontrollgruppe mit einem Durchschnittsalter von
28 Jahren zugeteilt. Zusätzlich zum traditionellen Krafttraining wurde in der
Interventionsgruppe das Training auf einer mit 20 bis 50 Hz, mit
5Hz-Progression, vibrierende Plattform ausgeführt. Die Übungen fanden, statisch
(Interventionsgruppe) und dynamisch (Kontrollgruppe), in einem Kniewinkel von
40°  bis 90° über einen Zeitraum von 12
Wochen zu je 3 x pro Woche über 
insgesamt 90 Minuten pro Trainingseinheit statt. Die Kraftmessung wurde
anhand der Muscle-Lab-Messung nach einem Monat auf +8% und nach drei Monaten
auf +13% Zugewinn beziffert; die Balancemessung mittels ZEBRIS brachte keinen
Unterschied gegenüber der Interventionsgruppe hervor. Des
Weiteren fiel der enorme Zeitgewinn der Interventionsgruppe mit
Vibrationszusatz gegenüber der Kontrollgruppe ohne Vibration auf.

Ein ähnliches
Ergebnis konnte auch Pamukoff et al., 2016, deren Recherche von Juli 2014 bis
März 2015 stattfand, aufweisen. Nach identischen Interventionen konnten die WBV-Gruppe
und die LV-Gruppe bestehend aus 20 Personen (14 Frauen, 6 Männer mit einem
Durchschnittsalter von 21,1 Jahren), die ihr Training mit Vibration absolvierten
mittels der M-Wave-Kraftmessung einen Kraftzuwachs von 16,2%, gemessen nach
einer Woche, gegenüber der Kontrollgruppe aufweisen, die aus denselben
Teilnehmern besteht. Ein identisches Übungsprogramm bestehend aus Beinstreck-
und Kniebeugeübungen im 60°-Winkel (6 Wdh. zu je 60 Sek. über eine Woche mit
jeweils einer Woche Pause) plus zusätzlicher Applikation von Vibration mit einer Frequenz von 30 Hz waren Inhalt der
Anwendungen.

Gemäß der
Studie von Costa et al., 2017, ist ein standardisiertes Training auf einer
vibrierenden Platte einem standardisiertem Training ohne Vibration nicht
überlegen. Sie konnten durch die mit SENIAM erfolgte Kraftmessung einen p-Wert
von < 0,05 ermitteln, welcher einem statistisch geringem Effektnachweis entspricht. 44 Personen wurden in zwei Gruppen zu je 22 Personen (Probanden-Durchschnittsalter der Interventionsgruppe = 28,0 + 5,52 Jahre und der Kontrollgruppe = 26,8 + 6,83 Jahre) unterteilt. Die Interventionsgruppe mit einer 50 Hz-starken, 10 Sätze zu je 30 Sek. andauernden zusätzlichen Vibration über eine Gesamtdauer von 300 Sekunden und die Kontrollgruppe mit einem identischen Übungsprogramm ohne Vibration mit 40° Knieflexion. Pre- und post-Tests fanden jeweils vor und nach der Intervention, 17 + 1,4 Wochen postoperativ, statt. 4.3       Studien über das standardisierte Training in offener und/oder geschlossener kinetischer Kette Gemäß Fukuda et al., 2013, ist das standardisierte Training in der offenen kinetischen Kette (OKC) dem Training in der geschlossenen kinetischen Kette (CKC) weder unter- noch überlegen. 45 Personen, evaluiert zwischen Mai 2008 und Juli 2011, zwischen 16 und 50 Jahre nahmen an dieser Studie teil. 23 Probanden erfuhren ein frühes Training in OKC (4. Woche post-OP mit limitiertem ROM; 45° bis 90°) und 22 Probanden ein spätes Training in OKC (12. Woche post-OP ohne ROM-Limitierung). Es wurden isometrische Maximalkrafttests in offener kinetischer Kette (Quadrizepskräftigung bei Kniewinkel 60°, 90° und Hamstringkräftigung mit 30°) mit einem Lafayette-Dynamometer festgehalten. Die Untersuchungen wurden in der 12., 19. und 25. Woche sowie nach 17 Monaten durchgeführt. Es wurden keine Unterschiede zwischen den Gruppen für Quadrizeps- und Hamstring-Maximalkrafttest nach jeder Testphase (p < 0,05) festgestellt. Die Studie beschreibt also insgesamt weder positivere noch negativere Auswirkungen hinsichtlich der Trainingsaufnahme auf die Muskelkraft, der Kniestabilität, der Schmerzreduktion und der Funktionalität des Kniegelenks im Vergleich der Früh- zur Spätstarter-Gruppe. Die Studie von Cho et al., 2013, kann bestätigen, dass das Training auf instabilem Untergrund signifikante Verbesserungen der Knieinstabilität und der Gelenkfunktion bei 45° Kniewinkel zur Folge haben, jedoch nicht bei einem 15° Kniewinkel. Innerhalb deren Studie mit insgesamt zwischen September 2012 und März 2013 28 randomisierten Männern, zählte die Interventionsgruppe 14 Personen mit einem Altersgefüge von 28,78 + 7,24 Jahre und die Kontrollgruppe ein Altersgefüge von 29,92 + 5,46 Jahre, die ein standardisiertes Training in CKC auf stabilem/instabilem Untergrund 3 x pro Woche zu je 60 Minuten über 6 Wochen absolvierten. Insgesamt lautet das Ergebnis, dass das Training auf stabilem Untergrund dem Training auf instabilem Untergrund hinsichtlich Knieinstabilität und Gelenkfunktion überlegen ist. Das Outcome dieser Studie wurde mithilfe des Lysholm-Scores bei 15° und 45° Kniewinkel als pre- und post-Test gemessen. Dieses Ergebnis lässt demnach auch schlussfolgern, dass ebenfalls signifikante Ergebnisse bezüglich der Muskelkraft zu erwarten sind. Barcellona et al., 2013, kamen zum Ergebnis, dass das Training in offener kinetischer Kette (OKC) als Möglichkeit, die Knieinstabilität zu verringern, durchaus als signifikante Maßnahme Anwendung in der Rehabilitation finden sollte. Sie begründen dies mit der Aussage, dass das standardisierte Training in der offenen kinetischen Kette (OKC = isoliertere Muskelaktivierung), bei guter Ausführung, gegenüber dem Training in geschlossener kinetischer Kette (CKC = höhere Muskelaktivität) den Effekt einer geringeren Knielaxität von - 133 N, gemessen durch einem KT2000-Arthrometer, aufwies. Beide Methoden aktivieren letztendlich die Muskulatur, stabilisieren mehr oder weniger das Kniegelenk und schützen somit folglich auch das vordere Kreuzband vor übermäßiger Belastung. Diese Ergebnisse entstammen aus deren Studie mit insgesamt 36 Personen im Alter von 18 bis 60 Jahren, unterteilt in zwei Interventionsgruppen (Low/High) bestehend aus 12 und 11 Personen und einer Kontrollgruppe bestehend aus 13 Personen, die standardisierte rehabilitative Übungen für Personen nach einer VKB-Ruptur in OKC über 12 Wochen absolvierten. Nach dem signifikanten primären Outcome, der Knieinstabilität, gemessen vor, nach 6 und nach 12 Wochen des Übungsprogramms, schlussfolgerten Barcellona et al., 2013, dass der positive Effekt aufgrund des Widerstands-/Krafttrainings entsteht.

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